Mi. Aug 12th, 2020

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Kino, Film und Fernsehen: Filmkritik zu Hardcore Henry

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Zielgruppe von Hardcore ist sicherlich nicht der durchschnittliche Kinofan. Bild: Amazon

Zielgruppe von Hardcore ist sicherlich nicht der durchschnittliche Kinofan. Bild: Amazon

First-Person-Shooter sind auf den Konsolen und PCs dieser Welt Dauerbrenner, die sich nahezu immer gut verkaufen lassen. Starke Marken wie Call of Duty, Doom oder Battlefield begeistern weltweit Millionen Gamer. Ab sofort zieht das FPS-Genre auch ins lokale Kino ein. Mit dem Film Hardcore Henry, bei uns nur Hardcore genannt, soll die Action mit einer innovativen Kameraperspektive für krachende Action im Kinosaal sorgen. Zielgruppe von Hardcore ist sicherlich nicht der durchschnittliche Kinofan, sondern viel eher der ambitionierte Ego-Shooter-Zocker. Meine Einschätzung erfahrt Ihr in der nachfolgenden Filmkritik zu Hardcore Henry. Viel Spaß!


Innovative Kameraführung: Der Kinofilm aus First-Person-Perspektive

Was wäre ein Lifestyle-Blog ohne Filmkritiken? Das Tolle daran ist, dass beim Verfassen von Filmrezensionen das Vergnügen vor der Arbeit kommt. Verdrehte Welt also. Dazu passt der neue Film Hardcore thematisch perfekt, denn auch in diesem innovativen Streifen ist so ziemlich alles verdreht, was verdreht werden kann. Fangen wir ein mit einem kleinen Reim, der die anfängliche Stimmung von Hardcore passend spiegelt:

Es brummt,

es scheppert

und es kracht,

das hat der Henry fein gemacht.  

(Anm. d. Red.: Applaus von den Rängen. Stehende Ovationen. La-Ola-Wellen wandern durch den Saal. Die Leser flippen aus und feiern diesen Reim).

Und auch wenn es sich nur um einen Actionfilm handelt, eine Hintergrundgeschichte gibt es, wenn auch nur rudimentär. Henry, der Protagonist des Films und damit auch die Figur, aus dessen Perspektive der Zuschauer die Handlung erleben darf, ist eigentlich gar kein Mensch, sondern eine Art Supersoldat, der mittels modernster Cybertechnik zurück zu den Lebenden geholt wur

de. Unglücklicherweise leidet Henry zudem unter einem Gedächtnisverlust. Seine aktuelle Mission: Seine entführte Ehefrau retten und dabei möglichst viel kaputt machen und wild von einem Fahrzeug zum anderen hüpfen. Das klingt jetzt nicht besonders tiefsinnig, muss es bei Hardcore aber auch nicht sein, denn der eigentlich Star des Films ist die innovative Ego-Perspektive.

Der Zuschauer durchlebt mit Beginn der ersten Filmminuten zwei Phasen. In der ersten Phase schindet die ungewöhnliche FPS-Perspektive ordentlich Eindruck und sorgt für Staunen und einige Lacher. In der zweiten Phase beschleicht den Zuschauer ganz

Teils skurrilen Perspektiven sorgen für Spannung. Bild: Capelight Pictures
Teils skurrilen Perspektiven sorgen für Spannung. Bild: Capelight Pictures

langsam das Gefühl, als sei Uwe Boll höchstpersönlich auf die Idee gekommen einen neuen Film zu drehen (Anm. d. Red.: Fans von Uwe-Boll-Streifen mögen mir diesen Vergleich verzeihen. Uwe Boll verzeiht mir hoffentlich auch). Was für rund 30 Minuten hervorragend funktioniert, nervt danach nur noch – und es sorgt sogar für hilfloses Kopfschütteln angesichts der Beiläufigkeit mit der die Action auf den Zuschauer einprasselt. Beim Anschauen von Hardcore wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass die Action in Actionfilmen meistens dann am besten rüberkommt, wenn man möglichst viel von der Kulisse sieht. In Hardcore erlebt man die Action zwar direkt und hautnah, dafür aber immer nur Häppchenweise. So innovativ die Kameraführung auch sein mag, so richtig fesselnd ist Hardcore leider nicht, dafür aber ungemein spannend, wenn man Spannung auf die Erwartungshaltung innovativer Filmszenen beschränkt.

Innovation ist nicht genug

Ich würde Hardcore nicht unbedingt als schlechten Film bezeichnen, sondern eher als missglücktes Experiment aus dem man viel mehr hätte herausholen können. Anstatt nur auf tolle Technik zu setzen, hätte der Story ein bisschen mehr Liebe gut getan. Innovativ ist an Hardcore nämlich alles, nur die zentralen filmischen Handgriffe nicht. Die Inszenierung ist erfrischend anders, bereitet so manchem Zuschauer aber auch Kopfschmerzen. Hardcore-Gamer und etwas nerdig angehauchte Kinofans werden allerdings ihren Spaß mit dem Film haben. Die hektischen Momente und teils skurrilen Perspektiven sorgen für Spannung. Statt einer unvorhergesehenen Story-Wendung erwartet man in Hardcore einfach einen neuen, coolen Stunt, denn davon gibt es reichlich.

Kein Mensch, sondern eine Art Supersoldat. Bild: Capelight Pictures
Kein Mensch, sondern eine Art Supersoldat. Bild: Capelight Pictures
Rein technisch ist die Bildqualität ebenso gelungen wie der Ton. Durch die First-Person-Perspektive wirkt Hardcore natürlich ein wenig trashig, aber das ist durchaus beabsichtigt, wenn man die Zielgruppe des Film im Hinterkopf behält. In den USA hat Hardcore am ersten Wochenende rund 5 Millionen Dollar eingespielt. Das ist kein besonders gutes Ergebnis, wenn man die hohen Erwartungen einbezieht. Bleibt die Frage, ob die Erwartungen realistisch waren. Sicher gibt es viele Gamer und Nerds. Und von denen gehen viele sicher auch gern ins Kino. Aber selbst der nerdigste FPS-Fan, der sich seine Nächte mit eher mäßigen Shootern um die Ohren haut, erwartet auf der Kinoleinwand Qualität. Davon bietet auch Hardcore ein wenig, aber es reicht eben nicht für einen Kassenschlager. Trotzdem, und da bin ich sicher, wird Hardcore als Heimkinofilm größere Erfolge feiern – allein schon wegen der mutigen Innovationen.

Fazit

Einzig und allein auf Innovationen zu setzen scheint insbesondere im Filmgeschäft keine gute Idee zu sein. Hardcore hätte vieles sein können, reduziert sich jedoch selbst auf eine gute Grundidee, die in ein zwar innovatives, aber wenig unterhaltsames Gewand gehüllt wurde. Keine Frage, die Ego-Perspektive schindet zu Beginn des Films ordentlich Eindruck und sorgt für den einen oder anderen Aha-Effekt. Spätestens nach der ersten Filmhälfte fängt man als Zuschauer jedoch an, seine Erwartungen an die Hintergrundgeschichte nach oben zu schrauben und wird enttäuscht. Seicht plätschert Hardcore dahin und auch die Perspektive nervt gegen Ende mehr, als sie dem Film nützt. Was bleibt, ist ein spannendes Filmexperiment, das in den richtigen Händen für sensationelle Ergebnisse sorgen könnte. Man stelle sich nur die Anfangsszene eine James Bond Films mit den filmischen Mitteln von Hardcore vor.

Und Ihr? Teilt mir gern Eure Meinung zum Film Hardcore Henry mit.

 

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